Archive

Busse lösen fast alle Verkehrsprobleme

Busse haben nicht das beste Image. Sie können aber auch anders, wir müssen ihnen nur die Möglichkeit dazu geben. Dann sind sie vielleicht die Zukunft der modernen Stadt und der nächste deutsche Exportschlager.

Carsharing, E-Scooter, Hyperloop-Tunnel: Mit diesen und anderen mehr oder weniger wilden Konzepten suchen wir nach der staufreien, grünen, sauberen und ruhigen Stadt von morgen. Dabei liegt die Lösung für unser Problem so nah, sie ist viel einfacher, älter und günstiger als gedacht: Es ist der gute alte Bus. Der kann wenig für sein schlechtes Image, sagt Christian Hochfeld, Direktor der Denkfabrik Agora Verkehrswende, im ntv-Podcast “Wieder was gelernt”: “Dass er zu spät kommt, liegt daran, dass wir den Bus im Straßenverkehr nicht den notwendigen Vorrang einräumen, obwohl er so viele Menschen befördert. Er ist das Opfer des Verkehrssystems, das sehr stark auf den privaten Pkw setzt.”

Das gleiche Argument bringt der US-amerikanische Verkehrsforscher Steven Higashide in seinem neuen Buch “Better Buses Better Cities” an: Bessere Busse, bessere Städte. Busse sollten der Grundstein unserer urbanen Fortbewegung und des öffentlichen Nahverkehrs sein. Denn immer mehr Menschen teilen sich einen begrenzten öffentlichen Raum: In Berlin leben derzeit etwa 3,7 Millionen Menschen, in zehn Jahren sollen es vier Millionen sein. Ähnlich ist die Entwicklung in Paris, London oder New York. Damit wir 2030 auf dem Weg zur Arbeit oder zurück nicht weiter Stunden im Stau stehen, die Luft verpesten und uns gedanklich an die Gurgel gehen, brauchen wir Alternativen zum Auto, die uns genauso schnell, zuverlässig und komfortabel ans Ziel bringen.

Das kann natürlich eine U-Bahn sein, aber die ist teuer und nicht von heute auf morgen gebaut: In Berlin-Mitte hat der Lückenschluss zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor zehn Jahre gedauert. Das Projekt ist fast pünktlich dieses Jahr fertig und auch kaum teurer geworden. Mehr als eine halbe Milliarde Euro haben drei neue Bahnhöfe und 2,2 Kilometer Tunnelstrecke trotzdem gekostet. Wofür? Damit auf der Prachtstraße Unter den Linden täglich etwa 3000 Autofahrer auf die Bahn umsteigen.

Bis zu 25.000 Passagiere pro Stunde

Das Gleiche wäre auch mit Bussen möglich, wenn man das Konzept zu Ende denkt und nicht “systematisch unterbewerten” würde, wie Christian Hochfeld sagt. Er verweist auf andere Metropolen, in denen sogenannte “Bus Rapid Transit”-Systeme eingesetzt werden. Dort erhalten Busse ihre eigene vergleichsweise kostengünstige Infrastruktur, fahren im hohen Takt und als XXL-Version auf eigenen Fahrbahnen – und kommen an die Kapazität des schienengebundenen ÖPNV heran. “Da blicken wir in Deutschland nicht über den Tellerrand hinaus”, kritisiert der Verkehrsexperte.
*Datenschutz

Sein US-Kollege Steven Higashide untermauert die Aussage mit Zahlen: In einer typischen Großstadt sind auf einer klassischen Straßenspur pro Stunde etwa 1000 bis 2000 Menschen unterwegs. Gibt man einem Bus eine eigene Spur, werden daraus schon 4000 bis 8000 Menschen pro Stunde. Mit Ideen wie dem “Bus Rapid Transit”-Systemen können es bis zu 25.000 Menschen sein, sagt Higashide.

Was passiert, wenn Busse bevorzugt werden, sieht man in London: Dort sind die typischen roten Doppeldecker schon heute oft die schnellste Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Dazu sind sie auch das sauberste motorisierte Fortbewegungsmittel: Schon bei durchschnittlicher Auslastung sind Busse nur halb so dreckig wie Pkw. Deutlich günstiger sind sie dazu: Wer Bus und Bahn fährt, kann im Vergleich zum Autofahrer im Jahr viele Tausend Euro sparen.

Lesen Sie den gesamten Artikel unter: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Busse-loesen-fast-alle-Verkehrsprobleme-article22081527.html

Kommentare

mood_bad
  • Noch keine Kommentare.
  • Kommentar hinzufügen