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Die Ästhetik der Möhre – Beate Walther über das Konzept der Bundesgartenschau in Erfurt

Vom 23. April bis 10. Oktober 2021 lädt Erfurt zur Bundesgartenschau (BUGA) ein. Wir sprachen mit Beate Walter, Ausstellungsbevollmächtige der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft (DBG) mbH, über das Konzept einer BUGA, die an die Tradition ihres Standorts anknüpft und die Ästhetik der Nutzpflanzen in Szene setzt.

Wie groß ist das Team, das sich vor und während der BUGA um die Gestaltung und Pflege der Pflanzbeete kümmert?

Eine Bundesgartenschau wird immer von einem großen Team über mehrere Jahre hinweg vorbereitet. Schritt für Schritt entsteht das blühende Erlebnis BUGA. Garten- und Landschaftsarchitekten haben ihre Ideen zu Papier gebracht, dabei neue Trends und aktuelle Gartenthemen berücksichtigt. Anschließend gehen die Pflanzplaner ans Werk. In Ausstellergesprächen mit interessierten Pflanzenproduzenten stellen die Planer ihre Ideen vor. Im Gespräch gibt es dann noch den einen oder anderen Hinweis zu Sorten oder Bodenbedingungen, anschließend werden die Sortenlisten erstellt. Ein vierköpfiges Team kümmert sich dann um die Beschaffung der vielen tausend Pflanzen. Die Pflege der Beete ist wie auch die Produktion der Pflanzen ein gärtnerischer Wettbewerb der Bundesgartenschau.

Welches Konzept verfolgt die BUGA bei der Planung der Landschaftsarchitektur und der Pflanzen?

Jede Bundesgartenschau widmet sich einem besonderen Thema – passend zur Region, zur Tradition und zu hier verwurzelten gärtnerischen Themen. Wir wollen zeigen, was Gartenbau heutzutage alles kann. Ausgangspunkt dafür ist die reiche Tradition Erfurts, die bereits im 18. Jahrhundert mit Christian Reichart begann und bis in die heutige Zeit reicht. Die Besucher erleben, wie Gartenbau in den Zeiten des Klimawandels funktioniert, was Grün für eine moderne Stadt bedeutet. Unsere beiden Ausstellungsflächen, der 36 Hektar große egapark mit seinem einzigartigen Gartenbaumuseum und der historisch bedeutende Petersberg am Rande der beeindruckenden Altstadt, werden davon Zeugnis geben.

Welche Rolle spielen dabei Ökologie und Nachhaltigkeit?

Erfurts BUGA ist besonders nachhaltig. Anders als bei bisherigen Schauen bleibt ein Großteil der Anlagen erhalten, die in Vorbereitung des 171-tägigen Gartenfestes entstehen. Im egapark sind das nahezu 80 Prozent. Hier werden bestehende Themengärten, Stauden- und Wechselflorflächen umfassend überarbeitet, neue gärtnerische Themen integriert, das einzigartige Urwald- und Wüstenhaus Danakil errichtet. Im egapark pflanzen wir hinter dem Danakilhaus einen Klimawald mit mehr als 80 Bäumen. All das wird auch nach 2021 Bestand haben und besondere Akzente für die Besucher setzen.
Im gärtnerischen Bereich setzen wir konsequent auf torffreie Substrate. Ein Großteil stammt von einem Anbieter aus Erfurt, zu dem wir auch unsere Grünabfälle bringen – ein funktionierender Kreislauf. Eine Gartenschau ist auch logistisch eine Herausforderung. Zehntausende Pflanzen werden angeliefert und gesetzt. Wir achten auf entsprechende Verpackungen und Gebindegrößen, um auch hier nachhaltig zu arbeiten und keine Müllberge zu erzeugen. In unseren Ausstellungsbeiträgen spielt Biodiversität eine große Rolle, wir zeigen z. B. insektenfreundliche Pflanzen. Im Festungsgraben des Petersbergs setzen wir auf regionale und saisonale Gemüsearten und Kräuter. Biologischer Pflanzenschutz und der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz sind ein Muss. Wir verwenden keine Pflanzen mit Hemmstoffen.

Welche Chancen und Risiken resultieren aus dem Klimawandel für den Gartenbau auf der BUGA?

Der Klimawandel zieht sich als Thema durch viele Ausstellungsbeiträge. Wir haben einen Klimawald und Klimaringe mit passenden Pflanzen rund um das Urwald- und Wüstenhaus im egapark. Auch auf dem Petersberg wird es einen Bereich geben, wie Grün die Stadt zurückerobert. In unserem Veranstaltungsprogramm sind zahlreiche Vorträge oder Workshops geplant. Im BUGA-Klassenzimmer können kleine und große Gartenfreunde lernen, forschen und entdecken. Teil jeder BUGA ist der i-Punkt Grün der DBG, hier gibt es Informationen rund um die grüne Branche und viele Anregungen für den eigenen Garten u. a. auch zur richtigen Bewässerung und den technischen Möglichkeiten.

Der Festungsgraben auf dem Petersberg soll ein Hingucker werden. Wie inszenieren Sie die Ästhetik von Nutzpflanzen?

Im Festungsraben auf dem Petersberg wird es eine einzigartige Präsentation der Gartenbautraditionen Erfurts geben. In den traditionellen Streifenpflanzungen finden sich neben typischen Erfurter Blumensorten auch Gemüse, Kräuter, Färbe- und Faserpflanzen. Wir wollen damit zeigen, dass alle Pflanzen eine hohe Ästhetik besitzen. Wir Menschen haben Kategorien wie Nutz- und Zierpflanzen geschaffen. Die zierliche Blüte einer Möhre wirkt im Beet mit entsprechenden Nachbargewächsen ebenso dekorativ wie auch viele Kräuter. Einige Gemüsearten werden zum Blühen gebracht und mit Samenständen gezeigt, alte Sorten neben neuen. Das ist ein Bereich, den man mit allen Sinnen erleben kann und der zu den Ursprüngen des Gartenbaus zurückführt.

Bekommen die Besucher auch Anregungen für die Gestaltung ihres eigenen Gartens?

Jeder Quadratmeter der BUGA Erfurt 2021 wird eine Inspiration für Gartenfreunde. In den Ausstellungsbeiträgen findet sich eine enorme Vielfalt an Pflanzen und Sorten, an Farben und Blütenformen. In den Themengärten geben Landschaftsbauer Anregungen, wie man mit Stein, Holz oder anderen Mitteln einen Garten besonders gestalten kann. In den Blumenschauhallen erwartet die Besucher meisterhafte Floristik zu ganz unterschiedlichen Themen. Die Wechselflorflächen und Staudenbeete sind Musterschauen, welche Pflanzen man kombinieren kann und wie man bestimmte Standortbedingungen berücksichtigen muss. Das ist ein wahres Füllhorn des Gärtnerwissens, worauf sich die Besucher vom 23 April bis zum 10. Oktober 2020 freuen können.

Fragen von Stefan Zibulla

Weitere Infos gibt es unter

www.buga21.de

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